5 Fuck Fast Fashion Facts

5 Fuck Fast Fashion Facts

5 Fuck Fast Fashion Facts

Fast Fashion – ein Begriff, den ich an dieser Stelle sicher niemandem mehr großartig erklären muss. Und dass dieser nicht gerade positiv besetzt ist, wohl auch nicht. Kommt das Thema Fast Fashion und die Missstände in der konventionellen Textilproduktion zur Sprache, würde wohl niemand behaupten, dass er das alles gut findet. Wenn Dokumentationen wie „The true cost“ angeschaut werden, fühlt sich sicherlich jeder danach betroffen und empfindet Empathie für die Menschen, die unter solchen Arbeitsbedingungen zu leben haben.

Dass das oft nicht lange anhält, sieht selbst ein Blinder. Zum nächsten Anlass wird munter weiter konsumiert. Das harte Leben derer, die keine 10 Flugstunden entfernt für unseren Luxus schuften, wird verdrängt. Ein Grund mehr, das Thema immer wieder auf den Tisch zu bringen, um sich selbst und allen anderen in Erinnerung zu rufen, dass ein Problem, nur weil es ignoriert wird, trotzdem immer noch existiert.

Fuck-fast-fashion-javamarisa

Aus diesem Grund präsentieren wir euch hier unsere 5 Fuck Fast Fashion Facts; warum man den Fast Fashion Konsum hinterfragen sollte und wie du persönlich von Slow Fashion profitierst!

1. Fast Fashion fucks the environment

Fangen wir mit einer der offensichtlichsten Auswirkungen an, die die Fast Fashion Industrie mit sich bringt. Die Umweltbelastung. Die Hard Facts kennt jeder: hoher Chemikalieneinsatz, Verschmutzung von Gewässern, Pelzfarmen, hoher Verbrauch wertvoller Ressourcen und Anbauflächen, und und und… die Liste könnte wohl noch ewig weitergeführt werden.

Hier fällt es einem als Konsument wahrscheinlich noch verhältnismäßig leicht, die Augen zu verschließen. Wer noch nie vor Ort war oder unter den Auswirkungen der Umweltverschmutzung zu leiden hatte, für den ist es wahrscheinlich schwer vorstellbar, was diese Fakten wirklich zu bedeuten haben.  Man kann sich ja damit „hinweggetrösten“, dass etwas, das „verschmutzt“ wurde, ja auch wieder zu „reinigen“ sein müsse. Wie ein Fleck auf einer Tischdecke. Also halb so wild.

javamarisa-fast-fashion-d

 

Doch das beste Beispiel, dass es nicht so ist, ist Wasser. Was einmal im Wasser ist und nicht rechtzeitig herausgefiltert wird, verteilt sich im Prinzip unkontrolliert in die ganze Welt. Jedes Gewässer ist direkt oder indirekt mit jedem See, Bach, Fluss, Meer, Ozean verbunden. Und Wasser bildet von absolutem Allem auf diesem Planeten die Lebensgrundlage. Muss man dazu noch mehr sagen?

2. Günstige Klamotten? Jemand bezahlt dafür!

Mag sein, dass sechs Euro für ein T-Shirt ein super Angebot ist. Gerade, wenn man selbst nicht viel Geld hat. Das Problem ist jedoch, dass es eben nicht günstig ist, sondern dass einfach jemand anderes dafür bezahlt. Nur sehen wir das beim Shopping leider nicht. Sicherlich würde niemand ein Produkt kaufen, wenn er im Hinterzimmer sieht, wie Menschen wie Sklaven gehalten werden, um eben diese Produkte möglichst schnell in den Verkauf zu bringen. Stichwort Empathie – eine grundlegende Eigenschaft, die der Mensch wohl seit Anbeginn der Zeit in sich trägt. Warum verschließen wir also die Augen vor Missständen, die uns eigentlich bekannt sind?

Eine Weile bevor ich mich mit Fast / Slow Fashion auseinandersetzte, reiste ich durch Kambodscha. Wer die Etiketten in seinen Kleidungsstücken aufmerksam studiert, wird nicht überrascht sein, dort häufiger Kambodscha zu lesen. Ich besuchte auch die Hauptstadt Phnom Penh. Während sich unser Reisebus gemächlich von den Randbezirken Richtung Zentrum schlängelte, fiel mir auf, dass wir an einer Textilfabrik nach der nächsten vorbei fuhren. Das war schon ein ziemlich überwältigendes Gefühl. Zum ersten Mal live zu sehen, wo all unsere Klamotten unter schlimmsten Bedingungen hergestellt werden – zumindest von außen.

Was mir jedoch wirklich die Sprache verschlagen hat, kam danach: je tiefer wir in das Textilfabriken-Gebiet fuhren, desto mehr Autos oder Roller mit großen Ladeflächen fuhren vorbei – übervoll beladen mit Frauen, die zu den Fabriken gekarrt wurden. Dieses Bild – die mit Näherinnen vollgestopfte Ladefläche – weckte in mir sofort die Assoziation zur Massentierhaltung.

Habe ich danach nochmal Fast Fashion gekauft? Leider ja. Trotz dieser Bilder hat der Verdrängungsmechanismus zuverlässig wieder eingesetzt. Jedoch nicht sehr lange.

3. SALE! Schnäppchen! …Wirklich?

Sale – Ein weiterer Punkt, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Früher haben wir  auch besonders gerne in den weitläufigen Sale-Bereichen nach Schnäppchen gestöbert. In der Regel nicht gezielt nach etwas das man braucht, sondern einfach weil es günstig war.
Meistens spaziert man mit mehreren Teilen zur Kasse, die zwar „ganz nett“ sind, aber eigentlich nur mitgehen, weil sie eben so günstig sind. Spätestens nach 2-3 Mal Tragen werden sie dann Schrankleichen. Trotzdem denkt man, man hat tolle Schnäppchen gemacht. Dabei wird man einfach nur manipuliert, Geld für etwas auszugeben, dass man eigentlich gar nicht wollte.

Daher ist es auch kein Zufall, dass Sale Produkte immer in großer Anzahl in allen Größen und Farben erhältlich sind. Wie ist das möglich? Ich dachte eigentlich immer, dass durch Rabattierungen Ladenhüter und Restbestände endlich einen Abnehmer finden oder Platz für neue Ware geschaffen werden soll.

javamarisa-fast-fashion

Die Wahrheit ist aber, dass bei großen Ketten ganze Kollektionen eigens für die Sale Seasons produziert werden. Das heißt, die Ware war oft nie im regulären Bestand, sondern wandert direkt auf die Stangen in der Sale Abteilung. „SALE“ ist also nur eine weitere Strategie, um dir möglichst effektiv das Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne dass du es merkst. Mehr dazu kannst du auf ichkaufnix.com lesen.

4. Fast Fashion verhindert, dass du deinen eigenen Style entwickelst

Die Fast Fashion Industrie ist nicht daran interessiert, dass du deinen persönlichen Style findest. Ganz im Gegenteil. Würde man nur kaufen, was wirklich dem eigenen Stil entspricht, müsste man weit weniger Geld für Kleidung ausgeben, als wenn man sich zu jeder Saison mit den neuesten Trendteilen eindecken muss. Dazu kommt, dass es mittlerweile nicht nur die zwei klassisch Hauptsaisons Frühling/Sommer und Herbst/Winter gibt, sondern zahllose „Zwischensaisons“.

Trends kommen und gehen in einem immer schnelleren Zyklus. Die Bedürfnisbefriedigung durch das Shoppen hält nur extrem kurz an. Sofort steht der nächste Trend vor der Tür, der einem das Gefühl gibt, Kleidung zu tragen die schon wieder „out“ ist. Ein künstlich produzierter Teufelskreis, der den Wunsch nach immer neuer Kleidung aufkommen lässt.
Darunter leidet im Übrigen nicht nur der Geldbeutel, sondern auch die Qualität der Ware. Von den Produktionsbedingungen mal ganz zu schweigen.

In der Slow Fashion Szene läuft es anders herum. Dort wird auf Qualität und faire Arbeitsbedingungen Wert gelegt – das Produkt wird teurer. Dadurch überlegt man sich mehrmals, was man kauft und wirklich braucht. Es ist eine deutlich bewusstere Kaufentscheidung. So findet man unserer Meinung nach deutlich besser seinen eigenen Stil.

5. …weil du das neue Teil nicht brauchst

„Qualität statt Quantität“ – diese Aussage kennt jeder. Hatte nicht jeder schon diese eine Jeans, die einfach perfekt saß? Und auf die man eigentlich immer zurückgriff, während man die fünf neueren links liegen ließ? Dann weißt du was ich meine. Wie groß das Elend ist, wenn diese eine Hose dann die ersten, nicht mehr zu rettenden Schäden aufweist.
javamarisa-fuck fast fashion kleiderberg
Daher gebe ich lieber einmal mehr Geld für ein wirklich gut sitzendes Teil aus, in dem ich mich wirklich wohl fühle. Statt dafür mehrere günstige zu kaufen. Bleiben wir beim Beispiel Jeans. Bei preisgünstigen Modellen sind wir eher dazu bereit, Kompromisse bei Passform und Qualität einzugehen. Nach ein paar Mal tragen stört uns dann beispielsweise der schlechte Sitz und die Hose verstaubt im Schrank. Im schlechtesten Fall auf einem Stapel weiterer ungetragener Hosen. Leider hat es sich auch nicht damit getan, diese dann zum Recyceln abzugeben. Gekauft wurde sie trotzdem, und mit dem Recycling ist auch nicht wirklich jemandem geholfen. Warum man insbesondere von der H&M Recycling Aktion die Finger lassen sollte, haben wir bereits in einem Artikel zusammengefasst.

Geben wir mehr für etwas aus, wollen wir sicher gehen, dass dafür dann alles perfekt ist. So ist es jedenfalls bei mir. Kompromisse gehe ich beim Kauf dann nicht ein. Schließlich ist das dann eine Investition, die sich auszahlen muss. Bei einer 20€ Jeans tut es nicht weh, wenn sie im Schrank verstaubt, bei einer, die 100€ mehr kostet, schon eher. Und teurer ist das Ganze dann auch nicht wirklich.
Mein persönliches Ziel ist es, das ich irgendwann mit verschlossenen Augen in meinen Kleiderschrank greifen könnte, und egal was ich dann zwischen den Fingern halte, das Teil mit gutem Gefühl tragen kann.

Kleidung ist keine billige Wegwerfware

Das Thema Fast Fashion ist nach wie vor relevant und sollte nicht in die hintersten, dunkelsten Ecken des eigenen Bewusstseins verdrängt werden. Genau wie bei einer Ernährungsumstellung ist es wichtig, sich mit dem Thema eingehend auseinanderzusetzen. Man muss wissen, warum man etwas macht, warum man etwas verdrängt und was die Handlungsalternativen dazu wären. Schockierende Bilder allein sind heutzutage leider nicht ausreichend. Sonst würde sicher niemand mehr Produkte aus der Massentierhaltung kaufen.
Wie in den meisten anderen Bereichen unseres Alltags auch – egal ob Nahrung, Haushaltsgegenstände oder eben Textilien – ist es wichtig, Kleidung nicht mehr als billige, austauschbare Wegwerfware zu begreifen.

2 Kommentare
  1. Hallo liebe Franzi,
    erstmal danke für dein ausführliches Kommentar! Wir können dir in jedem Punkt nur zustimmen.
    Wertschätzung der Kleidung oder generell von Gegenständen lernt man definitiv vor allem im Elternhaus. Bekommt man es dort nicht vorgelebt, haben Lehrer es schon deutlich schwieriger, noch etwas an der Einstellung zu ändern.
    Warum es für Babies/Kinder eine so große Nachfrage nach Second Hand gibt und das mit zunehmenden Alter abnimmt, ist eine sehr gute Frage! Die meisten denken da wohl “praktisch”: Gerade kleine Kinder entwachsen ihrer Kleidung so schnell, dass es wohl echt teuer werden würde, ständig neu nachzukaufen. Später “lohnt” es sich wohl eher, Neues zu kaufen, da man das dann ja lange tragen kann. Ist aber auch nur eine Vermutung von mir.
    Neues hat wohl immer noch einen höheren Stellenwert als Second Hand. Unsere Generation hat nun aber die Chance, der nächsten andere Werte und Sichtwiesen zu vermitteln.
    Sonnige Grüße
    Jaimie

Kommentarfunktion ist geschlossen.